Über die großen sozialen Netzwerke wurden 2014 über 2,2 Milliarden Fotos geteilt. Über die Hälfte davon entfällt auf die Dienste WhatsApp und Snapchat. Jedes einzelne dieser Bild hat einen Urheber. Er und sein Werk besitzen durch das Urheberrechtsgesetz einen besonderen Schutz. Was das bedeutet, weiß Hannes Pablitschko.

Der 18jährige Nürnberger macht seine jahrelange Leidenschaft zum Beruf: Momentan absolviert er eine Ausbildung zum Fotografen. Was für ihn ein gutes Foto ausmacht? „Das Motiv, wie es im Bild positioniert ist; das Licht und die ganze Bildkomposition. Wenn das alles zusammenpasst, ist es ein gutes Bild.“

 

 

Interview

F = Frage
Hannes = Antworten von Hannes Pablitschko

F: Wann hast Du zuletzt ein Foto per WhatsApp verschickt?
Hannes: Noch nie, weil ich kein Smartphone habe.

F: Hängt das mit der Fotografie zusammen?
Hannes: Das hat damit nichts zu tun. Da fände ich es schon praktisch, ein Smartphone zu haben. Aber ich brauch’s nicht. Das liegt einfach daran, dass man dann so abhängig davon ist. Und solange ich mir keines zulege, ist diese Abhängigkeit auch nicht da.

F: Würdest Du anders als andere mit einem Smartphone umgehen?
Hannes: Ich würde auf jeden Fall mehr fotografieren, weil das natürlich praktisch ist. Aber ich würde versuchen, das Ganze in einem Rahmen zu halten und nicht ständig von allem Fotos zu machen. Das ist auch unnötig.

F: Was bedeuten Bildrechte für Dich als Fotograf?
Hannes: Das bedeutet für mich erst einmal, dass alle Bilder, alle Fotos, die ich mache und kreiere, mein geistiges Eigentum sind und damit nicht ohne meine Zustimmung weiterverbreitet werden dürfen. Und dann gibt es noch die Regelung der Urheberrechte: Einfache Bilder sind 50 Jahre ab ihrer Aufnahme geschützt. Professionelle Fotografien sogar bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Im Gesetz heißen einfache Fotos „Lichtbilder“ und professionelle, anspruchsvolle Fotos „Lichtbildwerke“.

F: Sind Schnappschüsse mit dem Smartphone also weniger wert als professionelle Fotos?
Hannes: Ich denke einfach, die meisten Smartphone-Fotos werden schnell und undurchdacht gemacht. Damit fehlen meist einfach die Kreativität und die ganze Bildgestaltung. Bei professionellen Fotos wird viel mehr nachgedacht, wie ein Bild aufgebaut ist.

F: Gilt das auch für Selfies? Machen die Leute sich da keine Gedanken?
Hannes: Die Leute machen sich sicherlich Gedanken: Wie sie auf dem Bild aussehen. Aber deswegen machen sie noch keine tollen Fotos. Dafür sind Bildaufbau und Bildkomposition einfach nicht individuell genug.

 

Ebenso wichtig wie die Rechte des Fotografen sind auch die Rechte der Personen, die auf Bildern zu sehen sind. Was dieses „Recht am eigenen Bild“ konkret bedeutet, erfahrt Ihr hier:

 

F: Wie wichtig ist Dir Dein Bildrecht? Gerade Du als junger Fotograf hast ja auch ein Interesse, bekannt zu werden.
Hannes: Mich interessiert schon, was mit meinen Bildern gemacht wird, es ist mir auch wichtig, dass damit nichts Falsches gemacht wird. Das heißt, wenn es jemand benutzt, um es anderen zu zeigen, dann wäre es mir natürlich lieb, wenn der Urheber — also in dem Fall ich — genannt wird. Sonst ist mein Bild gestohlen und keiner weiß, von wem es ist.

F: Was hältst Du von sozialen Netzwerken wie Instagram, wo Fotos im Übermaß produziert werden?
Hannes: Natürlich ist es toll, wenn so viele Fotos mit anderen geteilt werden und man zeigen kann, was man gerade macht. Aber ich denke auch, dass es langsam überhandnimmt. Es werden einfach zu viele Fotos von nicht besonderen Momenten geteilt werden und das dadurch auch „vermüllt“ wird. Es gibt Accounts, deren Bilder kann man sich nicht anschauen, weil sie einfach nicht interessant sind.

F: Glaubst Du, dass dieses Konzept von Bild-, Urheber- und Nutzungsrechten überhaupt noch zeitgemäß ist?
Hannes: Ja. Ohne das Urheberrecht ist es ja gar nicht möglich, Fotos — oder generell geistiges Eigentum — zu schützen. Man kann das alles nicht wie ein Patent anmelden und schützen lassen, einfach weil es viel zu viel davon gibt. Deswegen ist es denke ich schon noch nötig, das beizubehalten.

F: Fehlt Deiner Generation, den „Digital Natives“, das Verständnis für geistiges Eigentum?
Hannes: Ich denke, dass viele nichts oder zu wenig wissen von diesen ganzen Fotorechten. Und gerade bei Facebook merkt man auch, dass viele Fotos und Inhalte weitergeleitet und geteilt werden, ohne dass irgendein Urheber genannt wird.

F: Braucht es denn heute noch professionelle Fotografen? Mit einem Stativ und einem separaten Objektiv für mein iPhone kann ich echt gute Fotos machen.
Hannes: Auf jeden Fall braucht es noch Fotografen! Selbst wenn man sich professionelles Equipment zulegt, werden die Fotos zwar qualitativ besser. Aber man weiß deswegen nicht mehr über Bildgestaltung, es fehlt noch eine gewisse Kreativität. Die Umsetzung der Fotos wird mit dem Equipment nicht besser.

 

Nimmt man es genau, sind nicht Fotos, sondern Fotografen gesetzlich geschützt. Das Urheberrecht (festgeschrieben im Urheberrechtsgesetz, kurz UrhG) „schützt den Urheber in seinen geistigen und persönlichen Beziehungen zum Werk und in der Nutzung des Werkes“ (§ 11 UrhG). Das heißt schlicht, dass allein der Urheber darüber bestimmen darf, was mit seinem „Werk“ passiert. Teile dieses Urheberrechts wie gewisse Nutzungs- und Verwertungsrechte kann der Urheber aber übertragen — und so Geld damit verdienen, dass andere sein Werk benutzen dürfen. Was aber rechtlich geschützt ist, müssen im Zweifel Gerichte entscheiden. Mit dem Aufstieg des Internets wurde die rechtliche Lage immer undurchsichtiger. Dadurch ist das Urheberrecht heute durchaus umstritten.

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