Stau. Foto: Michael Matejka

Am Stau lässt sich nichts Gutes finden. Er treibt den Benzinverbrauch in die Höhe, kostet Zeit und noch viel mehr Nerven – oder? Falsch! Wer es richtig anstellt, verlängert sein Leben im Stau sogar! Also fast.

Erst einmal ein paar grundsätzliche Informationen: Wie entsteht ein Stau? Die Stauforschung (gibt es wirklich, nennt sich in Wirklichkeit aber weniger sexy „Physik von Transport und Logistik“) liefert dazu ein bahnbrechendes, erstaunliches Ergebnis: Stau ist immer dann, wenn zu viele Autos auf einer Straße unterwegs sind und jemand bremst. Dann gibt es eine Bremswelle, irgendwann steht der Verkehr. Damit wird auch der Unterschied zwischen einer Schlange und einem Stau, sozusagen eine Auto-Schlange, klar: Beim Stau ist das Hinterteil vorne. Faszinierend ist, dass sich kein Stau vom anderen unterscheidet. Der einzige Unterschied: Mal gibt es vorne einen Unfall als Entschuldigung für den ersten Bremser, mal nicht.

 

Alles ist möglich – sogar Yoga!

Mit den ersten Bremslichtern kommen auch die Emotion hoch. Frust. Ärger. Resignation. Wut. Also gleich mehrere Gefühle, die in ihrer Summe vor allem kontraproduktiv sind und – ganz wichtig – das Leben verkürzen. Denn (noch so eine bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnis, diesmal aus der Psychologie): Eine positive Lebenseinstellung wirkt sich auch positiv auf die Lebenserwartung aus. Man kann die biologische Uhr um bis zu zehn Jahre zurückdrehen. Wer in jungen Jahren glücklich denkt, ist im Alter gesünder und erkrankt auch seltener an Alzheimer.

 

Und gerade ein Stau bietet viele, unglaublich viele Möglichkeiten, das Leben zu genießen. Allein alle anderen Autofahrer zu beobachten, versorgt einen für die nächste Woche mit Lachern. Und wer Beifahrer im Auto hat, kann auch die Mutter aller Auto-Spiele spielen: Ich sehe was, was du nicht siehst. Auch immer gut, ist einfach zu singen. Das ist neben der positiven Einstellung noch zusätzlich gesund. So trainiert man nicht nur die eigene Stimme, sondern auch, mit komischen Blicken anderer zu leben. Und selbst wenn gar nichts mehr geht, Vollsperrung ist und alle Autos stehen: Zur Not findet sich in der mittlerweile unbenutzten Rettungsgasse genug Platz für etwas Yoga.

 

Die Liste lässt sich beliebig erweitern: Badminton, Fußball, Brettspiele, Grillen, Trinken, alles möglich, alles auch schon da gewesen. Also: In einem Stau landen wir alle früher oder später. Dann kann man den Stau auch nutzen – und das eigene Leben vielleicht nicht wirklich absolut verlängern. Immerhin verliert der durchschnittliche Deutsche jährlich etwa eineinhalb Tage in Staus. Mit der richtigen Einstellung macht man aber auf jeden Fall mehr aus dem Stau als der durchschnittliche, mürrische und frustrierte Deutsche.

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/stau-in-deutschland-die-schlimmsten-strecken-a-956808.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/stau-statistik-2014-berliner-verbringen-jaehrlich-73-stunden-im-stau/11600056.html

http://de.statista.com/infografik/3473/jaehrliche-durch-stau-verlorene-zeit-pro-pendler-in-stunden-in-deutschland/

http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/1208899/

http://www.welt.de/wissenschaft/article1461487/Warum-Singen-gesund-ist.html

 

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