Ohne Auslandsaufenthalt hat man heute kaum noch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt – so die landläufige Meinung. Aber geht es nicht vielmehr darum, Abenteuerzu erleben, Freunde zu finden, eine andere Kultur zu erleben? Und wie macht man es richtig?

Fest steht: Die Lust am Reisen war noch nie so groß wie heute. Schüleraustauschprogramme florieren, jeder will zu „work and travel“ aufbrechen, einmal Au-pair sein. Früher galt ein Auslandsaufenthalt als Alleinstellungsmerkmal. Heute ist er so verbreitet, dass sich für viele nicht mehr die Frage stellt ob, sondern: Wohin? Dieser Trend ist auch durch Zahlen belegt: Das Erasmus-Programm ist das weltweit größteFörderprogramm für Auslandsaufenthalte. Damit fördert die Europäische Union Studenten von Universitäten bei einem Auslandssemester, mittlerweile auch über Europa hinaus.Allein in Deutschland ist in den letzten 25 Jahren die Zahl der Erasmus-Studenten von 657 auf 30.000 gestiegen. Laut dem Staufenbiel Institut, einem von Deutschlands größten Karriereportalen,verlangen mittlerweile 75 Prozent der Unternehmen Englischkenntnisse, 56 Prozent erwarten einen Auslandsaufenthalt.

„Keine Grundvoraussetzung“
Doch selbst die Karriereberater von Staufenbiel beruhigen. Im Interview mit deutsche-bildung.de sagt Stefanie Zimmermann: „Überzeugend finde ich die Menschen, die selbst von dem überzeugt sind, was sie machen oder gemacht haben. Das gilt auch für Ehrenämter. Wer sich nur engagiert, weil es im Lebenslauf gut aussieht, kann damit sogar unangenehm auffallen. Wer aus Überzeugung einen Umweg genommen hat und dies auch gut begründen kann, hat gute Karten.

Auch die Experten der Jobbörse StepStone schreiben: „Die Auslandserfahrung macht sich als Sahnehäubchen in Ihrem Lebenslauf sicherlich gut, stellt aber in den meisten Fällen keine Grundvoraussetzung für den Berufseinstieg dar. Klar ist aber auch: Berufe werden immer internationaler, der Umgang mit Kunden aus dem Ausland immer selbstverständlicher. Da hilft es, schon einmal einen Kulturschock erlitten zu haben.

 

Was will ich eigentlich?
Dieser Schock wartet überall: Ein Klick, Google, „work and travel“ und zack, eine Milliarde ErgebnisseAu-pair 40Millionen. Auslandsaufenthalt immerhin noch 930.000 Treffer. Ohne Zweifel findet da jeder irgendwann irgendwo das perfekte Angebot, die eine Website, die alles erklärt. Das kann aber dauern. Deswegen sollte sich jeder, der das Ausland bereisen will, ein paar grundlegende Fragen stellen. Zuerst: Will ich das überhaupt und vor allem: Warum? Bin ich dafür geeignet? Dareicht schon ein einfaches Gespräch mit Freunden und der Familie: „Glaubt ihr, ich schaffe das?“ Und wer hier schon nicht offen für Kritik ist, öffnet sich womöglich auch nicht gegenüber anderen Kulturen.

Steht der Entschluss, geht es ans Eingemachte. Das Internet ist das Mittel der Wahl, um sich Informationen zu beschaffen. Hier kann man auch von Instituten, Agenturen und ähnlichem Material anfordern, meist auch unverbindlich. Hier sollte man sich vorher auf jeden Fall vier Punkte klarmachen: Wohin solles gehen? Was will ich machen? Wie lange will ich das machen? Und: Will ich alles selbst organisieren oder mir zum Beispiel von einer Agentur etwas Arbeit abnehmen lassen? Wer zum Beispiel weiß, dass er Au-pair in Neuseeland für ein halbes Jahr über eine Agentur machen will, hat deutlich weniger Stress bei der Recherche als jemand, der sagt: Australien ist warm, da will ich hin.

Kann ich mir das überhaupt leisten?
Die beliebte Variante über eine Agentur oder Organisation den Auslandsaufenthalt zu organisieren, kann dabei sehr teuer werden. Bei einem Schüleraustausch können das schnell 5.000 Euro werden, noch oben gibt es erst bei etwa 30.000 Euro eine Grenze. Je nach Organisation sind die Kosten für Flug oder Auslandsversicherung auch noch selbst zu tragen. Deswegen lohnt die Suche nach alternativen Angeboten und Finanzierungsmöglichkeiten: Es gibt Förderprogramme wie Erasmus, Stipendien von Vereinen und anderen Organisationen, ein Auslands-Bafög oder auch Unterstützungen durch Schulen.

Wer vor allem eine andere Kultur kennenlernen will, kann auch auf „work and travel“ setzen oder als Au-pair arbeitenWer es richtig anstellt und gut kalkuliert, finanziert sich den Auslandsaufenthalt selbst – oder verdient sogar noch etwas mit dazu. Was auch oft vergessen wird: Zuhause fallen auch Lebenshaltungskosten an. Die kann man dann 1:1 in der Auslandsaufenthalt stecken.

Bei allem gilt aber auch eine beliebte Phrase: Es muss Spaß machen. Man muss sich darauf einlassen, es zulassen. Denn das sind die übereinstimmenden Berichte von denen, die im Ausland waren: Du kommst als anderer Mensch wieder. Oder um es mit Karl Julius Weber aus dem 19. Jahrhundert zu sagen: „Reisen sind das beste Mittel zur Selbstbildung.“

Linksammlung:
http://www.auslandsaufenthalt.org/
http://www.ausgetauscht.de/
https://www.workaway.info/

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