Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung, eine eigene Meinung oder ist vor Gewalt geschützt. Aber woher kommen diese Rechte eigentlich? Die Antwort liefert die Straße der Kinderrechte in Nürnberg.

Vor über 70 Jahren wurden die Vereinten Nationen (UN) gegründet. Hier haben sich alle Staaten der Welt zusammengeschlossen, um gemeinsam für Frieden und eine bessere Zusammenarbeit zwischen allen Ländern zu sorgen. Seit ihrer Gründung arbeiteten die UN an einem Vertrag, der Kindern besondere Rechte einräumt. 1989 war es dann so weit: Da trat die sogenannte „Kinderrechtskonvention“ (KRK) in Kraft. Die KRK ist eine Art Vertrag zwischen 195 Staaten der Erde, der Kindern besondere Rechte einräumt. Diese Rechte hat jeder Mensch unter 18 Jahren – Herkunft, Hautfarbe, Religion, ob Junge oder Mädchen – all das ist egal. Jedes Kind der Welt hat ein Anrecht auf diese Rechte.

Die Straße der Kinderrechte in NürnbergDie Straße der Kinderrechte in Nürnberg
Die Straße der Kinderrechte wurde 2005 von der Stadt Nürnberg zusammen mit den Künstlern Ursula Rössner und Jürgen Eckart erbaut. Bei der Planung und dem Aufbau halfen viele Kinder und Jugendliche mit. Das Projekt will Kindern spielerisch ihre Rechte näherbringen. Dafür hat man sich aus den 54 Artikeln der Kinderrechtskonvention (KRK) die acht wichtigsten Rechte herausgesucht – und individuell aufbereitet. Den Ausgangspunkt bildet die Litfaßsäule. Hier bekommen die Kinder alle wichtigen Informationen rund um die Entstehung der Straße der Kinderrechte.

Die Litfaßsäule: Das Recht auf Zugang zu InformationenDie Litfaßsäule: Das Recht auf Zugang zu Informationen
Die Litfaßsäule soll zeigen, dass Kinder das Recht haben, aus verschiedenen Quellen verlässliche und verständliche Informationen zu bekommen. Manfred Liebel ist Professor an der Freien Universität Berlin und leitet dort einen Studiengang zum Thema Kinderrechte. Für ihn ist ein ganz wichtiger Teil des Rechts auf Information, dass die Kinder sich auch über ihre Rechte informieren können. Prof. Liebel sagt: „Kinder saugen die Kinderrechte ja nicht mit ihrer Muttermilch auf. Sie müssen die Möglichkeit haben, etwas über ihre Rechte zu erfahren. Sie müssen auch das Gefühl bekommen, dass ihre Rechte etwas nützen und dass sie sie nutzen können.“

Die Schildkröte: Das Recht auf GesundheitDie Schildkröte: Das Recht auf Gesundheit

Beim Recht auf Gesundheit geht es darum, dass Kinder einen Anspruch auf ärztliche Versorgung, Essen und Trinken haben. Kinder haben aber auch das Recht auf „bestmögliche Lebensumstände“. Das heißt auch die Natur und die Umwelt der Kinder soll so gestaltet sein, dass sie bestmöglich aufwachsen. In der KRK ist auch verankert, dass reiche Ländern den ärmeren helfen, dieses Recht umzusetzen.

Die Gleichheitsfiguren: Das Recht auf GleichheitDie Gleichheitsfiguren: Das Recht auf Gleichheit
Die KRK schützt jedes Kind der Welt. Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, Herkunft, Vermögen, Behinderung oder der Status des Kindes und seiner Eltern – all das ist völlig egal. Obwohl dieses Recht in Deutschland weitgehend umgesetzt ist, gibt es noch Nachholbedarf, kritisiert Prof. Liebel: „Davon betroffen sind vor allem Kinder aus Minderheiten oder von Flüchtlingen. Die kommen nicht in den Genuss der Rechte, die ihnen die Kinderrechtskonvention eigentlich zusichert. Es ist ja auch nachgewiesen, dass der Erfolg in der Schule immer noch von der Herkunft abhängt.“

Der Buchstabenbaum: Das Recht auf PrivatheitDer Buchstabenbaum: Das Recht auf Privatheit

„Es gibt heute Umstände, durch die Kinder und Jugendliche ihre Privatsphäre nicht mehr so hoch schätzen oder einfach sagen: Die ist mir nicht mehr so wichtig“, weiß Prof. Liebel. Aber: „Beim Recht auf Intimität und Privatsphäre geht es aber vor allem darum, dass ihre Privatsphäre durch andere nicht beeinträchtigt wird.“. Der Buchstabenbaum soll den Kindern zeigen, dass sie ein Recht auf Geheimnisse haben.

 

 

Die Kletterskulptur: Das Recht auf BildungDie Kletterskulptur: Das Recht auf Bildung
„Kinder sollten in jeder Lebenslage und in jeder Situation die Möglichkeit bekommen, zu lernen und sich zu bilden“, fordert Prof Liebel. „Das würde auch bedeuten, dass Schulen von Lern- zu Lebenseinrichtungen werden, dass sie Einrichtungen sind, die für das Leben der Kinder wirklich wichtig sind, wo sie auch gerne hingehen.“ Auf der Kletterskulptur sollen die Kinder verstehen, dass die Schulpflicht ein Recht ist und Bildung ihnen eine bessere Zukunft ermöglichen kann. Die Kinder sollen sich aber auch einmal die Frage stellen: Habe ich überall die Möglichkeit, mich frei zu entfalten?

Die Elternskulptur: Das Recht auf elterliche FürsorgeDie Elternskulptur: Das Recht auf elterliche Fürsorge
Die Eltern sind die wichtigsten Personen im Leben eines jeden Kindes. Dabei ist der Begriff „Eltern“ durchaus auch etwas anderes als „Mama und Papa“ bedeuten. Die Elternskulptur soll den Kindern zeigen, dass es auch andere Familienformen gibt, dass auch Großeltern, Geschwister oder andere Personen wichtige Rollen einnehmen können. Fragen die behandelt werden sind aber auch, ob und welche Strafen es in einer Familie geben darf.

Der Spielweg: Das Recht auf Freizeit und SpielDer Spielweg: Das Recht auf Freizeit und Spiel
Was wären Kinder ohne Spiel und Spaß? Deswegen haben auch die Vereinten Nationen festgeschrieben, dass Kinder ein Recht auf Spiel haben. Sie müssen an Freizeit- und kulturellen Aktivitäten teilnehmen können. Prof. Liebel dazu: „Das Recht auf Spiel und Freizeit ist unglaublich wichtig für Kinder, vor allem für solche, die in der Stadt leben. Kinder müssen sich in der Stadt freier und weniger risikoreich bewegen können.“

 

 

Das Amphitheater: Das Recht auf freie Meinungsäußerung und TeilhabeDas Amphitheater: Das Recht auf freie Meinungsäußerung und Teilhabe
„Das Recht auf freie Meinungsäußerung und Beteiligung ist eines der Kernrechte der Konvention und eines, das am wenigsten ernstgenommen wird. Es gibt zwar viele Jugendparlamente, Kinderforen oder Schülervertretungen. Die haben aber das Problem, dass sie nur wenig Einfluss nehmen können. Sie haben vor allem symbolische Wirkung. Der Aspekt, dass man Einfluss nehmen kann auf Entscheidungen, die auch das Leben von Erwachsenen betreffen, der wird noch zu wenig beachtet“, mahnt Prof. Liebel. Denn eigentlich besagt das Recht: Wenn Erwachsene Entscheidungen treffen, die etwas mit dem Kind zu tun haben, dann müssen sie zuerst dem Kind zuhören und es fragen, was es will. Diese Kindesmeinung muss berücksichtigt werden.

Fordert Eure Rechte ein!Fordert Eure Rechte ein!
Kinder müssen ihre Rechte kennen, um sie auch einfordern zu können. Die Straße der Kinderrechte hilft ihnen dabei. Sie sollen die Rechte nicht nur als etwas begreifen, was sich Erwachsene ausgedacht haben. Prof. Liebel ruft alle Kinder auf: „Guckt in Eurer Schule, ob ihr eine Schülervertretung habt! Das gibt es in Grundschulen bisher zu wenig, weil man es den Kindern nicht zutraut. Kinder müssen konkret nach ihren Wünschen gefragt werden, was ihnen gefällt und was nicht. So schafft man – zusammen mit den Kindern – Strukturen, in denen sie sich wohlfühlen. Und man zeigt ihnen, dass sie und ihre Rechte ernstgenommen werden.“

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