Sowohl am Tage als auch mitten in der Nacht arbeiten sie für das gedruckte Werk. Medientechnologen im Druck wie Philipp Lämmermann ermöglichen es, dass unsere Leser morgens eine Zeitung in den Händen halten können.

Mit 40 000 Umdrehungen die Stunde arbeiten die Apparate in der Rotation synchron auf mehreren Etagen. Die zwölf Druckmaschinen erstrecken sich über drei Stockwerke. Ein kettenartiges Gerät hat zahlreiche Zeitungen einzeln an sich geklammert und transportiert diese über ein Fenster in den Bedienraum, der sich inmitten der Rotation befindet. Es ist laut, riecht nach Farbe — und damit die Maschinen gut laufen können, beträgt die Temperatur konstant 22 Grad.

Philipp Lämmermann geht zum Trichterfalz, der gedruckte Papierbögen halbiert. Ein halber Bogen entspricht vier Zeitungsseiten. „Der Bund war nicht ganz in der Mitte. „Damit das Papier später symmetrisch gefaltet wird, muss ich den Trichterfalz einstellen“, erklärt der Hersbrucker. Gerade produziert das Druckhaus des Verlags Nürnberger Presse eine Werbe-Zeitung mit Reiseangeboten. Ansonsten stehen für die Medientechnologen der Tagesschichten meist Zeitungs-Beilagen auf dem Plan, wie beispielsweise die Museumszeitung oder Reklame.

Qualität wird genau geprüft

Zu Lämmermanns Aufgaben gehört es, aus bereits gedruckten Exemplaren Stichproben zu entnehmen und diese genau zu überprüfen. Deswegen geht er gleich wieder zurück in den deutlich ruhigeren Bedienraum, an ein Pult mit Display, Monitor und 85 Knöpfen. „Ich stehe hier sechs von sieben Arbeitsstunden. Von hier aus steuern wir die Abläufe, machen Qualitätskontrollen und Feinjustierungen.“

Als Nächstes untersucht er im grellen Licht die Farbwerte einzelner Exemplare. Während der Produktion werden die Maschinen immer wärmer und die Farben dadurch dünner. Über das Pult steuert Philipp Lämmermann die Farbmengen der Farbwalze. Bei Fotos ändert er manchmal auch die Zusammensetzung der Grundfarben Cyan, Gelb, Magenta und Schwarz. Der Horizont auf einem Bild in der Werbezeitung ist gerade etwas rötlich. Also nimmt er etwas Magenta heraus und gibt ein bisschen Cyan dazu. Alles per Knopfdruck.

Was die bereits fertigen Exemplare angeht, müssen die Drucker entscheiden, ob die Fehler vertretbar sind. Wenn nicht, landen sie im Container. „Wir wollen den Kunden ja keine schlechte Qualität bieten“, sagt der Medientechnologe, der bereits mit seinen 23 Jahren Azubis im Druckhaus betreut. Für die Arbeit als Medientechnologe braucht man daher ein genaues Auge.
Wenn Philipp Lämmermann Urlaub hat, kauft er sich regelmäßig andere Zeitungen und bleibt dabei ganz in seinem Beruf: „Zuerst schau ich mir die Druckqualität an, dann den Inhalt.“

Rotation im Druckhaus des Verlags Nürnberger Presse

Rotation im Druckhaus des Verlags Nürnberger Presse.

Sobald die Zeitungen über den Trichterfalz gelaufen sind, werden sie automatisch zum Auslauffalz transportiert. Lämmermann sieht am Monitor im Bedienraum, wie an der Auslauffalz zwei Drucker ein paar von den gefalteten Exemplaren entnehmen und zügig überprüfen, ob diese so verkauft werden können. Ein Kollege hebt den Daumen und Lämmermann drückt auf einen Knopf, damit die Zeitungen bei der Spedition landen. Nach zweieinhalb Stunden ist die Arbeit für diese Produktion getan. 89 000 Werbezeitungen sind fertig. Die Spediteure verpacken alle Exemplare für die Auslieferung.

Derweil dokumentiert Lämmermann den Papierverbrauch und kümmert sich um die Reinigung der Druckmaschine. Während er die Mechanik säubert, erklärt er: „Aus einer Tonne Papier lassen sich 20 000 Zeitungen herstellen.“ Für das nächste Produkt befestigt er beschichtete Farbplatten auf den Plattenzylindern der Druckmaschinen. Für jede Seite erstellte ein Programm Aluminium-Platten in den vier Grundfarben. Da die Farbinformationen aus dem System für den Druck nicht ganz ausreichen, stellt Lämmermann die Farbwalze der Druckmaschine richtig ein. „Am wichtigsten ist, dass man die Platten in der richtigen Reihenfolge einordnet“, sagt er. Schon ein Fehler in der Produktion kann schließlich schon dazu führen, dass zahlreiche Exemplare kaputt sind.

Arbeit unter Zeitdruck

Außerdem wollen die Kunden ihre Zeitungen pünktlich erhalten, deswegen müssen die Drucker ihre Zeitpläne auch ordentlich einhalten. Das eigentliche „Drucken“ geschieht, indem die Farben von den Plattenzylindern an gegenläufige Zylinder mit Gummitüchern gepresst werden, quasi gestempelt. Von den Gummizylindern kommen die Farben dann durch Gegendruck auf die Papierbögen. Offsetdruck nennt man das ganze Verfahren. Auch wenn gerade keine Produktion läuft, lehnen die Medientechnologen sich nicht zurück: Wöchentlich warten sie die Maschinen, im größeren Umfang auch monatlich sowie halbjährig. Zum Beispiel müssen die Walzen immer wieder nachgestellt werden.

Heute endet der Arbeitstag für den Hersbrucker gegen 16 Uhr. Da es insgesamt neun Schichten im Druckhaus gibt, hat er aber auch drei Jahre nachts im Zeitungsdruck gearbeitet. „Finanziell lohnt sich das“, findet Lämmermann. Er arbeitet dennoch lieber tagsüber, denn „es ist ärgerlich, wenn man am Freitag gegen 20 Uhr zur Arbeit muss und alle Freunde ausgehen. Und die Umstellung nach vier Wochen Nachtdruck auf eine Tagesschicht finde ich anstrengend.“ Unabhängig davon, was und wann er druckt, sind die Ergebnisse für ihn das Beste an dem Job. „Es ist einfach schön, am Ende ein perfektes Produkt in den Händen zu halten.“

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